
“Biographien sind etwas für Prominente oder solche, die sich dafür halten. Wichtige Menschen schreiben die eigenen Memoiren und hinterlassen so der Nachwelt oftmals Schätze von unbezahlbarem Wert.”
- teilen Sie diese Meinung?
Haben Sie sich aber auch schon einmal dabei „beobachtet”, was in Ihnen vorgeht, wenn Sie in einer Kaffeerunde gemeinsam mit Verwandten oder Freunden in Erinnerungen schwelgen – oder aber mit anderen schwere Erfahrungen und Erlebnisse teilen? Die, die es aktiv tun, erleben nicht nur die Vergangenheit neu, sondern schöpfen unsagbare Kraft für die Gegenwart daraus.
Zu realisieren, dass ein Leben nicht „auf Schienen” verläuft, dass es in der Vergangenheit Berge und „Hoch”zeiten, aber auch Täler und Depressionen gab, ist die eine Seite der Medaille. Dreht man die Münze um und betrachtet die Zukunft, so kann niemand sehen und sagen, was uns hier begegnen wird. Einen Hinweis können uns in gewissem Maß lediglich unsere zurückliegenden Erfahrungen geben.
Nun mögen die einen beschwichtigen, denn „mir passiert so etwas ja nicht” – die anderen aus Angst, es könnte ihnen selbst zustoßen, in Panik verfallen.
Ich selbst gehe gerne den Weg, den ich einer Unterhaltung zweier Menschen mittleren Alters entnehmen konnte. Dabei diskutierten sie darüber, ob es wohl doch hinausgeworfene Zeit und Mühe ist, für das Alter vorzusorgen und zu planen. Beeindruckt hat mich eine der beiden Meinungen. „Weißt Du,” sagte einer der beiden Männer schmunzelnd „mir ist es wichtig, meiner Frau und meiner Familie geordnete Verhältnisse zu hinterlassen. Wenn ich morgens wie immer aus dem Haus gehe und mittags trifft mich der Schlag, dann weiß ich, dass nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch alles geregelt ist.” Im weiteren Gespräch, zu dem ich nach einigen Sätzen eingeladen wurde, erfuhr ich, woher diese Einstellung rührte: Ein eigener Verwandter hatte diese geordneten Verhältnisse hinterlassen und so dem genannten Mann ein „wertvolles Erbe” zuteil werden lassen. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was wir in der Wohnung alles vorfanden. Gerade der Vorsorgeordner, der auffallend im Arbeitszimmer stand, hat uns so viel Zeit und Nerven gespart.” gab er mir begeistert und erleichtert mit auf meinen Weg. – Er war schließlich auch der Urheber des Gedankens, einen besonderen und ausführlichen Vorsorgeordner zu schreiben und über Jonathan anzubieten.
Andere berichten von Pflegesituationen oder dementen Angehörigen, die man gerne etwas fragen würde, eine Antwort aber eben nicht mehr erwarten kann. „Wie gerne wüssten wir, wie er/sie es sich selbst gewünscht hätte.” lauten dann die traurig gestimmten Aussagen von Familienangehörigen und Freunden.
Ich lade Sie bewusst ein, im Aufschreiben der eigenen Besonderheiten nicht nur eine unschätzbare Hilfe für andere zu gestalten, sondern dabei ganz zufällig auch Ihre Talente neu zu entdecken. Lassen Sie sich darauf ein, wichtige Erlebnisse und Erfahrungen aufzuschreiben.
Vielleicht sogar wächst dabei der Wunsch, neben den Besonderheiten Ihrer Person auch scheinbar unwichtige Erlebnisse aufzuschreiben und so Ihrer Familie ein Stück Ihrer Erinnerungen aktiv wach zu halten – und auf diese Weise ein außergewöhnliches, unbezahlbares Erbe mitzugeben: das Wertvollste!